Hinter dem Tor liegt eine wundersame Welt, und der Wind trägt den Duft der See herbei. Es riecht modrig und frisch, süßlich und würzig. Wenn die Tage lang werden und die Sonne über den Salzwiesen der Nordsee steht, erwacht das Leben in dieser Zwischenwelt. Die Salzwiesen an der Nordseeküste von den Niederlanden bis Dänemark, einschließlich Schleswig-Holstein, sind ein einzigartiger Lebensraum.
Wer auf dem Deich steht und zur Nordsee blickt, sieht das Watt und die allmähliche Auflösung des Landes. Diese kilometerbreiten Streifen sind durchzogen von Gräben und Prielen, in denen die Flut ein- und ausläuft. Überflutet vom Salzwasser der Nordsee, müssen die Pflanzen das Salz ertragen. Diese Bedingungen führen zu einer einzigartigen Flora.
Die Salzwiesen kann man am besten mit einer fachkundigen Führung erleben. Es gibt genehmigte Wege, z.B. im Naturerlebnisraum St. Peter-Ording und auf dem Salzwiesenlehrpfad auf der Hamburger Hallig. Viele Bereiche sind aus Naturschutzgründen gesperrt. Im Hochsommer blüht der „Halligflieder“ violett, und die verschiedenen Düfte und Geräusche schaffen eine besondere Atmosphäre.
In den Gezeitengräben steht stilles Wasser, und das Sediment, das die Flut mitbringt, ist die Lebensgrundlage der Salzwiese. Pflanzen wie Strandflieder oder Schlickgras scheiden aktiv Salzkristalle aus. Der Queller, auch Salicornes genannt, ist ein bekanntes Gemüse der Salzwiese. Er schmeckt knackig, salzig und nach Meer.